hörendenkenschreiben

Sonntag, 27. Juli 2008

Grumpf

Muss der Naidoo seine mobile Lebensberatung zur Klampfe jetzt auch noch nach Dresden schaffen? Und dann stellen auch noch unschlüssige Ratsuchende und Weltverlierer die ganze Carolabrücke zu und reagieren auf meine Fahrradklingel nur mit sentimental-phrenetischem Blickwahn (wahrscheinlich ein gefährlicher Drittelmix: 33% bedrogt, 33% scheißtexte, 33% entsetzliche Musik). Soll der doch seine Praxis in Mannheim aufmachen...

Freitag, 25. Juli 2008

Barry Douglas

Er ist ein toller Pianist, der Ire Barry Douglas. Vor einiger Zeit beeindruckte er in Dresden mit allen drei Bartok-Konzerten an einem Abend (Leitung Janowski). Jetzt ist endlich mal wieder eine Platte erschienen, zwei Klavierkonzerte von Rachmaninov, die bereits 1993 in Russland aufgenommen wurden, aber nicht erscheinen durften. Die CD ist ein schönes Dokument seiner "wilden" Zeit, Douglas gastierte oft in Russland und studierte sogar eine Zeitlang Russisch. Später gründete er die "Camerata Ireland" und nahm nicht mehr jedes Konzertangebot an, um so erfreuter ist man heute, wenn man ihn ab und an im Radio hört oder von ihm liest. Einziges Manko dieser guten CD, die ich von der Anlage der Werke her absolut empfehlen würde, ist der Blechbüchsenklang des Staatlichen Russischen Sinfonieorchesters unter Jewgeni Swetlanow. Ich glaube nicht, dass der "Retroklang" die CD nicht gerade zu einem Verkaufsschlager macht, eher zu einem Geheimtipp.

Sonntag, 20. Juli 2008

Darmstadt-Blog beendet

Das Darmstadt-Blog, eine musikhistorische Großtat sondergleichen, ist vorerst geschlossen. Auf die Entwicklung von Blog-Diskursen innerhalb des Themas Neue Musik (schon fast fossiliare Versuche, Musik im Netz zu diskutieren finden sich ja in der Forenherrlichkeit vondieser oder auch jener Seite) freue ich mich sehr und werde mir dazu auch einige Gedanken machen.

Noch zwei Anmerkungen:
die Komposition, die Rihm auf diesem Bild vorgelegt wurde, war nicht fußgeknüpft sondern fußgeklöppelt. Diese alte sächsische Tradition wurde zur wirtschaftlichen Belebung der osterzgebirgischen Weihnachtsmärkte erstmals 1817 in Sri Lanka eingeführt, just zu der Zeit also, wo Berlioz im jamaikanischen Schwimmnationalteam Karriere machte (Link=Beleg). Solche Feinheiten wirken sich auf die Arbeit der nächsten Generationen aus. Wenn wir schon nicht sauber argumentieren, wie soll 2089 erst ein Musikwissenschaftler die Arbeiten der unzähligen Rihm-Schüler (neu: jetzt auch als Wiki-Kat) analysieren?

und zweitens: nicht nur Lücker klagt über Nichtaufführungen, ich habe hier auch noch einen Beitrag eines russischen Komponistenkollektivs, die ebenfalls mehrfach vergeblich bei Solf Schäfer Werke eingereicht haben. Ich bitte um freundliche Beachtung.

Dienstag, 10. Juni 2008

Huch!

Nachdem das erste Halbjahr für mich nicht viel an tollen neuen Platten hervorbrachte (die Linkliste zeigt fast nur Klassik, aber davon ist jede einzelne Gold wert!), bekomme ich gerade um die Ohren gehauen:
Anywhere I lay my head von Scarlett Johansson ist vielleicht nichts für Vocal-Liebhaber, aber den opulenten Arrangements fügt sie zumindest das blass-erdfarbene Orgelregister ihrer Stimme hinzu. Tom Waits? Ach ja, war wohl der Anlass. Aber das hat mit ihm kaum noch was zu tun. Und die Wucht der Lieder ist sogartig, unentziehbar. Stark.

Dienstag, 6. Mai 2008

Trip to Asia

Endlich habe ich mir den zweiten Film von Thomas Grube über die Berliner Philharmoniker angesehen. Äußerlich ist Trip to Asia die dokumentarische Begleitung einer Asienreise des Orchesters, aber eigentlich geht es um die speziellen Eigenheiten dieses Klangkörpers. Vieles kam mir da bekannt vor, zumal wir mit dem DKC bereits 2005 in China waren - bloß hat keiner mit uns einen Film gedreht, aber die Demut und den Kulturschock habe ich durchaus noch einmal beim Ansehen nachempfunden. Eher beklemmend sind dann aber die ganzen Äußerungen der Musiker, was Druck, Leistung, Individualität usw. angeht. Sicherlich ist es für einen Nichtmusiker toll, einmal diese ganzen Strukturen mit Hilfe des Films anzusehen, aber gerade die Äußerungen über "Demokratie" im Orchester und vor allem zu Tradition und Anpassung bestätigt mir wieder einmal eine ziemliche Verkrampfung unserer Musikinstitutionen und es kommt in mir die Frage auf, ob das Nummereins- Leistungs-Qualitätsdenken wirklich immer die tollste Musik hervorbringt (bitte in dieser Hinsicht mal genau auf den Beethoven und einige Übergänge im Strauss hören...) - Fazit1: die entlassene Piccoloflötistin (im Abspann wird auch ihr Abgang gewürdigt, tolle Denunziation) erscheint mir am natürlichsten. Fazit2: Strauss spielen die Dresdner einfach besser (sowohl technisch als auch emotional...). Fazit3: dass die miserable Tonspur mit nicht zum Bild passendem Off-Playback - offenbar sonstwo eingespielt, ständiger Unterlage von Asia-Musik und einer permanenten akustischen Berieselung überhaupt "genehmigt" wurde, ist mir ein Rätsel.

Dienstag, 1. April 2008

Enjoy the depth of the music

Schön, dass es noch Musik gibt, bei der man mal schallend lachen kann. Willkommen beim Elefantenkuhsextett, das heute ein spezielles Ballettprogramm für die Zuhörer erarbeitet hat:

Freitag, 21. März 2008

Neue CD-Empfehlungen

Meine "HÖREN"-Liste in der Sidebar füllt sich allmählich, ich habe nur noch keine Zeit gefunden, die CDs im einzelnen zu rezensieren. Daher heute zumindest ein paar kurze Sätze dazu: Empfehlenswert sind alle vier aus unterschiedlichen Gründen. Die neue Aufnahme von Yundi Li erscheint übrigens erst am 11.4., ist aber ein absolutes "Must Have" für Klassikfreunde, die mal wieder Klavier mit einem charaktervorllen Geist und richtigen Noten hören wollen anstelle mit Sportgehabe und Überheblichkeit. Prokofievs Konzerte Nr. 1 und 3 werden ja auch gerne heruntergenudelt und finden sich im Repertoire vieler Pianisten. Wer 2 öffentlich spielt und auch aufnimmt, stellt sich einer kraftstrotzenden, hochvirtuosen Partitur, die aus einer anderen Prokofiev-"Liga" zu stammen scheint. Yundi Li stellt sich dieser Aufgabe mit einer Deutlichkeit in Tempo und Anschlag, die zwar fast "zu schön" für das Stück ist, aber rundweg überzeugt, weil er die Ruhe in den Koloraturen vom 1. bis zum 4. Satz auch durchhält. Das hat Konzept und wirkt intelligent. Und obendrein auch noch live...
Hilary Hahns CD ist für mich bereits "Platte des Jahres". Das allein schon wegen ihres Mutes, sich dem Schönberg-Konzert zu nähern, wo doch es doch seit Tibor Varga nicht wirklich eine Aufnahme gab, die auch nur einigermaßen den Ideen Schönbergs näherkam. Hilary packt das Unmögliche: das Konzert gut zu spielen und auch noch eine profilierte, ganz eigene und sinnige Interpretation hinzulegen. Genial. Achja, und hat man Sibelius (welche waghalsige Koppelung!) jemals romantischer, ehrlicher gehört? Es ist glaube ich die erste Aufnahme eines spätromantischen Werkes (von Günter Wands Bruckner-Aufnahmen abgesehen), in welchem ich den Begriff "Pathos" richtig angewendet finde, ohne falsche Klischees, dafür aber mit überströmendem Herzen.
Uff. Zu Janowski und Pepping später mehr. Aber ebenfalls HÖREN!

Sonntag, 27. Januar 2008

Sic!

"Wenn man versucht, Mahler vor sich selbst zu schützen, funktioniert das nicht."

(Zubin Mehta in einem Interview im Tagesspiegel)

Karajan

Das Karajan-Jubiläum dürfte nicht unbedingt der Renner auf dem Plattenmarkt werden, denn was sich in den 70ern prima vermarktete -- und in der Hinsicht war er absoluter Vorreiter einer ganzen Generation von KlassikVermarktern, die einem heute schon fast wieder auf den Nerv gehen -- gelingt sicher kein zweites Mal. Viele Karajan-Aufnahmen bringen selbst bei ebay keinen müden Euro ein. Und mit Neuveröffentlichungen und Boxen lockt man selbst die Senioren nicht mehr hinter dem Ofen hervor, denn erstens wissen die dass Karajan-Aufnahmen schon früher so auflagenstark verkauft wurden, dass ein Tschaikowsky-Violinkonzert heute in der "brandneuen Wiederveröffentlichung" nichtmal ein müdes Lächeln wert ist, und zweitens haben sie die Platten sowieso alle.
Und drittens: Wen interessiert heute noch eine Karajan-Interpretation? Und doch, zwei Tipps ausgerechnet von der Musik des 20. Jahrhunderts hätte ich:

und


In beiden Fällen sicher eine streitbare Lesart der Komponisten, aber zumindest im Fall Schostakowitsch von nachdrücklichem Verständnis für die Sprache des Komponisten geprägt.

Mittwoch, 23. Januar 2008

Schostakowitsch am Klavier

Wohl gibt es die eine oder andere uralte Aufnahme mit dem Komponisten am Klavier, aber Filmmaterial ist selten. Die kurze Montage aus dem 1. Klavierkonzert stammt aus dem Jahr 1934. Hätte auch nicht gedacht, dass er den Satz so rasend und dabei doch in "lapidarem" Ausdruck nimmt:

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Lesen!

Hören!


Rene Pape, Sebastian Weigle, Sd
Gods,Kings & Demons (Opera Arias)


Death Cab for Cutie
Narrow Stairs


Scarlett Johansson
Anywhere I Lay My Head


Barry Douglas, Evgeny Svetlanov, Sruss
Klavierkonzerte 1 & 3


Hilary Hahn, Jean Sibelius/Arnold Schönberg
Violinkonzert Op. 47/Violinkonzert Op. 36




OSR, Marek Janowski
Bruckner IX

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