Samstag, 27. Juni 2009

offline

ich zieh mal eben um. Leider nicht interaktiv im Web, sondern ganz real mit ca. 40 Kisten, Klavier & Co.
Und da mein neuer Internetanschlussanbieter (ich hab nix mehr im Kopf, daher so komische Wortschöpfungen) statt "Installation ab 1.7. möglich" - "Terminabsprache ab 1.7. möglich" in mein Datenblatt notiert hat, wirds nun auch erstmal ruhig hier...
Bis bald...1km weiter nordwestlich, und dann wird aufm Balkon gebloggt ;)

Freitag, 26. Juni 2009

nicht trauern, bewegt euch, Leute...

Donnerstag, 25. Juni 2009

Welterbe futsch, GMD auch futsch.

Das sind zwei Bomben am Donnerstagabend. Die eine war vorhersehbar und folgerichtig: Das UNESCO-Welterbe Dresdner Elbtal ist Vergangenheit. Ziemliches Geblubber vernimmt man noch heute abend aus der Pressestelle der Stadt, auszuwringen und zu entsorgen wie einen nassen Schwamm: „Dresden hatte sich voller Stolz auf die einzigartige Kulturlandschaft um den Titel beworben und die Stadt hat ihn auch voller Stolz getragen – unabhängig, ob man für oder gegen die Brücke gewesen ist. Die Verwaltung und die Stadtpolitik werden weiter das Dresdner Elbtal schützen und gemeinsam mit der Bürgerschaft aktiv bewahren, wie sie es auch in der Vergangenheit erfolgreich getan hat.“
Bewahren? Jo, dann baut man noch 5 Brücken, jetzt hindert euch ja keiner mehr an dem Wahnsinn... Für den dafür nötigen Beton kann man ja ein Dutzend Hotels einreißen, die man jetzt schon kaum mehr braucht. Denn auch ein Konzertsaal, der wohl Touristen anziehen würde, bleibt ja wohl Utopie. Dresden ist mit solchen Blamagen auf dem besten Weg in die Isolation. Wie war das noch: ARD = "A-ußer R-aum D-resden".

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Die andere ist allerdings eine wirkliche Bombe: Fabio Luisi wirft hin (auch hier) - ein unsäglicher Artikel in der Bild-Regionalausgabe war dieser Entscheidung, die Luisi in einem Brief dem Orchester mitgeteilt hat, vorausgegangen.

Bittere Zeiten für die Stadt.

Mittwoch, 24. Juni 2009

Philharmoniker in Bestform

Tschaikowsky und Mahler im Zykluskonzert

Im letzten Zykluskonzert der Dresdner Philharmonie standen zwei große Werke der Romantik auf dem Programm, die so hinreichend bekannt und eingespielt sind, dass man einige Erwartung an die Interpretationen stellen durfte. Peter Tschaikowskys Violinkonzert D-Dur ist nicht ganz so häufig zu hören wie etwa das Brahms-Konzert, aber kaum einer der großen Geiger hat es in seinem Konzertrepertoire nicht berücksichtigt. Lyrischer Ton und souveräde Virtuosität sind hier gleichermaßen gefragt. Die junge Geigerin Baiba Skride hat sich in der Musikwelt schon einen außerordentlichen Ruf erarbeitet. Die in Deutschland ausgebildete Lettin stellte allerdings eine Darstellung des Konzertes vor, die den Zuhörer am Ende ratlos zurückließ. Dabei ist Eigenwilligkeit in einer Interpretation gar nicht zu bemängeln, wenn diese das Hören bereichert und neue Ebenen hinzufügt. Wenn aber die Interpretenphantasie solche Blüten treibt, dass die Partitur, die Takt, Tempo, Phrasierung und vieles mehr vorgibt, kaum mehr Beachtung findet, so befindet man sich an einer gefährlichen Kante des Interpretentums. Skride wollte Tschaikowskys Konzert neu erfinden und schoss dabei über mehrere Grenzen hinaus: Chefdirigent Rafael Frühbeck de Burgos war nicht zu beneiden, das Orchester nach jede Solophrase wieder zurück in die geordneten Tempo-Bahnen des Werkes zu führen. Stellenweise hatte man das Gefühl, Solistin und Orchester spielten zwei verschiedene Stücke. Skride buchstabierte bereits das Hauptthema des 1. Satzes und phrasierte zumeist recht geradlinig. Eine Ausnahme war allerdings die Kadenz im 1. Satz, die sie mit schönem Ton gestaltete. Dafür enttäuschte der 2. Satz - von einer "Canzonetta" war dieses Tempo-Trauerspiel, bei dem Skride einige Male die Musik bis zum Stillstand zerdehnte, meilenweit entfernt. Den 3. Satz beherrschten wiederum extreme Welten: entweder jagte Skride vorwärts, um virtuose Passagen möglichst effektvoll (aber leier auch nicht immer perfekt ausgeführt) über die Rampe zu bringen oder sie bremste den Satz zu energisch ab. Jederzeit bot die Philharmonie eine hochaufmerksame und saubere Leistung in der Begleitung. Baiba Skride hatte auch mit einer wenig artikulierten Bach-Zugabe kein Glück an diesem Abend. Nach der Pause machte das 9. Zyklus-Konzert dann jedoch große Freude - und das ausgerechnet in der Musik Gustav Mahlers, die sicher keine leichte Kost ist und im Zusammenspiel gut ausgehört sein will. Doch wie Frühbeck de Burgos auswendig den großen Apparat motivierte und zu immer neuen Höhepunkten mitriss, ohne seine Gesamtkonzeption aus dem Auge zu verlieren, das war bewundernswert. Den ersten Satz mit den Naturlauten gestaltete er maßvoll, wie überhaupt die 1. Sinfonie für Frühbeck de Burgos noch keinerlei Anlass zur Darstellung von Dramatik und Seelenabgründen bietet. Frühbeck de Burgos fand für alle Sätze federnde Tempi, die als Basis für jedes Aufschwingen oder Beruhigen geeignet waren. Das instrumentale Singen und Erzählen ist in dieser Sinfonie gefragt, es ist Musik aus der Natur und in die Natur hinein. Die zahllosen Bilder und Geschichten spielte das Orchester mit sichtbarer Spielfreude und folgte jeder Geste des Chefdirigenten. Viele dynamische Farben waren so im 3. Satz (mit subtilem Kontrabass-Solo zu Beginn) zu beobachten. Das Finale darf triumphal klingen: Frühbeck ordnete dem Satz bis zum Ende einen vorwärtsdrängenden Schwung zu, so kam man gottlob niemals in die Nähe von platter Hymnik. Gleich ob es ein leiser Streicherteppich war oder ein volltönend-homogener Hörnersatz - diese Mahler-Interpretation überzeugte im vom Beginn an demonstrierten Anspruch des spannungsvollen Ausmusizierens - die Philharmonie präsentierte sich in Bestform.

Belauscht !

Dialog, aufgeschnappt bei McDonalds:
Mädchen: "Kann ich mal die Cola?"
Mann: "Da fehlt ein Verb!"
Mädchen: "Bitte!"

Gerade eben bei Fritz vorgestellt: Entschuldigung, sind Sie die Wurst? - das Beste von belauscht.de ist nun als Buch erschienen.

Freitag, 19. Juni 2009

Hilfe für schwerkranke Yogalehrerin aus Dresden

Bitte lest einmal die folgenden Informationen über das Schicksal von Silka Strauch, die auf Hawaii von einer Wurmkrankheit befallen ist und im Wachkoma befindlich einen Transport nach Deutschland benötigt. Bitte veröffentlicht diesen Beitrag gern auch selbst - Wer spenden mag oder auch mit anderen Ideen (Verbreitung/Öffentlichkeit) helfen kann, sei hiermit dazu aufgerufen. Ich unterstütze die Bemühungen, ich denke, hier ist Hilfe dringend notwendig.

*Beitrag in der Sächsischen Zeitung
* RTL-Fernsehbeitrag
*Homepage von Silka Strauch (dort auch die Infos zu Spendenkonten)
*Facebook-Hilfegruppe
* Blog-Eintrag von MdB Michael Leutert

Montag, 15. Juni 2009

Grandioses Debüt

Renaud Capuçon gastiert erstmals im Kapell-Konzert

Im Mendelssohn- und Haydn-Jahr sind Konzerte mit Werken von Robert Schumann derzeit wohl eine Art Nebenschauplatz. In Dresden blieb ihm zu Lebzeiten ja der ganz große Karriereschritt verwehrt, Schumann zog nach Düsseldorf weiter. Wenn sich die Sächsische Staatskapelle und der Gastdirigent Daniel Harding etliche Monate vor dem Beginn des eigentlichen Schumann-Jahres (200. Geburtstag) im 11. Sinfoniekonzert an ein reines Schumann-Programm wagen, kann es fernab von Äußerlichkeiten nur um eines gehen: um die Musik selbst. Denn das Argument, dass Schumanns Musik doch gängiges Repertoire sei, kann schon allein mit der Rezeptionsgeschichte des Violinkonzertes d-Moll entkräftet werden, das nach einigen Proben bald nach Schumanns Tod in den Untiefen von Sammlungen und Bibliotheken verschwand. Schumann interpretieren, Schumann hören und gar verstehen - dies zieht einen nicht gerade geringen Anspruch für Musiker wie für das Publikum nach sich. Das Violinkonzert sträubt sich mit jeder Note: es verneint das Virtuosenethos und entwickelt stattdessen eine fragil erscheinende emotionale Tiefe. Harding arbeitete zu Beginn denn auch die zweiten Violinen kolossal heraus, die dem an sich erdenen Thema einen insistierenden Unruheteppich verpassen. Der französische Geiger Renaud Capuçon gab mit der Interpretation des Schumann-Konzertes sein grandioses Debüt bei der Staatskapelle. Sein Guarneri-Instrument besitzt eine unglaubliche Präsenz und verliert auch in zartesten Passagen nie seinen obertonreichen Glanz. Capuçon tauchte mit Beginn seines Soloparts ab in die Schumann-Welt und wäre vermutlich bis zum Schlussakkord auch nicht ansprechbar gewesen. Sein Spiel war dämonisch-zwingend und in Technik und Intonation unglaublich präzise. Während er den ersten Satz ernst und mit deutlicher Schwere der Töne gestaltete, geriet der lyrische zweite schlicht und voller Anmut, nobel und würdevoll dann das Finale. Harding und Capuçon befreiten mit dieser konsequent vitalen und detailreichen Interpretation von der Patina des düsteren Spätwerkes - Schumann auf solche Eingleisigkeiten zu reduzieren, würde dem Werk ohnehin nicht gerecht, das zeigten auch die anderen beiden Stücke, die in Dresden entstanden: die Ouvertüre zur Oper "Genoveva" ging Harding mit einem secco-Bläserklang an, kurz und knackig war die Artikulation, so dass ein dramatischer Vorwärtsgang möglich wurde, der aber immer von Leichtigkeit getragen war. Die 2. Sinfonie C-Dur musizierte Harding mit starkem Gestaltungswillen, das körperlich intensive Engagement führte im langsamen Satz dann zu etwas zu direktem Spiel. Fulminant hingegen, wie Harding sich im 1. Satz ein echtes Fortissimo bis zur Reprise aufsparte, dennoch permanent dynamische Binnenstrukturen offenlegte und die Schlussakkorde wie präzise abgeschossene Pfeile ins Ziel trafen. Die beiden schnellen Sätze verleiteten zu reichlich virtuosem Glanz, hier waren die vollmundigen Streichersätze waren genau auf dem Puls der Musik gesetzt und Harding scheute sich nicht, das Orchester mit freier Tempoführung und nimmermüdem Einsatz am Ende zu einer Höchstleistung zu motivieren. Ein völlig überzeugendes Schumann-Konzert war dies, und neben dem Genuss des feinen Kapellklangs stand am Ende die Feststellung, dass man Schumanns Werke immer wieder neu betrachten und entdecken kann.

Freitag, 5. Juni 2009

Wählen ?

Ja. Wählen. Am Sonntag. Und wer nicht weiß, wen und warum, geht mal hier gucken und weiß anschließend wes Geistes Kind er/sie/es ist.

noch 9 Tage

bis zu meinem zweiten Lauf in diesem Jahr, die zweite Auflage des Dresdner Sportscheck-Laufs. Da bin ich schon letztes Jahr mitgerannt, es war mein erster "öffentlicher" 10km-Lauf überhaupt. Nun ist der diesjährige mein dritter und ich freue mich schon mächtig darauf. Allerdings heißt es bis dahin noch einige Male die Elbe rauf und runter rennen. Sport frei.
Falls noch jemand mitlaufen will am 14.6.: *klick*

Obama meets Merkel at the Frauenkirche and I shot a photo

Als Paparazzi werde ich wohl niemals taugen, wer deswegen hier auf dem Blog landet, kann auch gleich wieder gehen. Aber ein bißchen Traffic darf schon sein, der Herr O. ist ja auch nicht dauernd hier. Da mein Hund mir wichtiger ist als der Präsident, war ohnehin Gassi-Gehen angesagt, und dementsprechend kam ich natürlich auch zu spät zum Shake-Hands. Dauernutzern von Photoshop, Ipernity und Apparaten jenseits der 1000-Euro-Grenze sei nun anempfohlen, den Beitrag endgültig zu verlassen. Nicht? Also dann: Schnappschuss von der Hauptstr., ca. 300m von der Augustusbrücke entfernt, Handycam mit optional einstellbarer Realiätsverwischung (man nennt es auch Zoom), auf der Brücke sieht man Scheinwerfer und Autos, Herr O. begibt sich gerade zurück zum Flughafen. Er sitzt in der großen Limousine, die man natürlich auf dem Foto nicht sieht. Dafür jede Menge Dresdner, die wahrscheinlich noch heute abend auf ihre Bahn warten werden.
Das war es auch schon. Back 2 work.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Respektvolles, durchdachtes Bach-Spiel

Beifallssturm für Hélène Grimaud in der Semperoper

Sehr lässig und entspannt sah es aus, als Hélène Grimaud am Pfingstmontag die Bühne der Semperoper betrat. Nur die freundlich-bestimmte Miene der weltberühmten Pianistin verriet bei der Begrüßung in der Semperoper die Konzentration. Das Programm ihres Recitals innerhalb der Dresdner Musikfestspiele folgte recht genau der letzten CD-Veröffentlichung, deren Titel unverblümt und ausschließlich auf die Musik weist: "Bach". Im Konzert hatte sie statt des begleiteten Bach-Concertos d-Moll eine Beethoven-Sonate ausgewählt; mit der späten E-Dur-Sonate, Opus 109 behielt sie aber nicht nur die tonartliche Verwandtschaft zu den umgebenden Stücken bei, sondern lancierte so einen schwebend-schimmernden Wiener Klassiker zu Johann Sebastian Bach - viele Bezüge wurden dabei offensichtlich. Der erste Teil ihres Recitals gehörte der Bach'schen Moll-Welt, in dessen Zentrum Grimaud die Bach/Busoni-Chaconne aus der 2. Partita d-Moll platzierte. Die Annäherung an diesen pianistischen Gipfelsturm vollzog sie mit drei Präludien und Fugen aus dem "Wohltemperierten Klavier": granitartig und geradlinig c-Moll sowie elegisch und mit gemäßigtem Tempo cis-Moll aus dem 1. Band, in stürmischem Wogen und emotional durchaus losgelassen dann das d-Moll-Präludium aus dem 2. Band. Nach der Fuge schloss sich nahtlos die Chaconne an. Hier war das Publikum schon vollkommen in den Bann gezogen, denn die Interpretationen der vermeintlich "kleinen" Stücke zu Beginn waren kraftvoll und durchdacht. Jegliche Vergleiche zu vermeintlich referentiellen Interpretationen dieser bekannten Werke schlugen ohnehin fehl, denn was man hörte, war Grimaud mit Bach und diese schlichte Überzeugungskraft der eigenen Aussage teilte sich in jedem Werk unmittelbar und unverwechselbar mit. Bei der Chaconne selbst bohrte Grimaud das Thema wie große Pfeiler in die Tasten, um es aber anschließend zahlreichen Wandlungen zu unterwerfen. Hier wie auch in den Bach-Originalwerken entfaltete sie eine unbändige Kraft, die aber außer an finalen Steigerungen immer durch die Übersicht auf das Gesamtwerk leicht gebändigt war. So war ihr Bach-Zugang immer beides: emotional bis in die Extreme, und doch genau an deren Grenzen respektvoll und stets musikalisch, niemals brutal. Eine tolle Legato-Phrasierung zeigte sie in der Liszt-Bearbeitung von Präludium und Fuge a-Moll BWV 543. Interessant zu beobachten ist auch ihre differenzierte Pedalarbeit, die mir lediglich an wenigen Stellen (in den Präluden cis-Moll und E-Dur) in der Summe etwas zuviel des Guten erschien. Reizvoll war der Kontrast der Beethoven-Sonate nach der Pause, Grimaud näherte sich diesem stark dialektischen Werk mit derselben Farbgebung wie bei den Bach-Werken. Das erschien mir vor allem im Variations-Satz überzeugend, auf dem auch das Gewicht der Interpretation lag, denn Grimaud gestaltete die ersten beiden Sätze als deutliche Vorbereitung zu diesem pianistischen Wunderstück. Freundlich und hell klang das Konzert mit Sergej Rachmaninows Bearbeitung eines Partiten-Satzes von Bach aus - der folgende Beifallssturm war die ehrliche Anerkennung für eine große Künstlerin, die uns an diesem Feiertag in ihre Musikwelt einließ und viele überzeugende und intensiv nachwirkende Momente schenkte, zum Schluss entließ sie die glücklichen Dresdner mit zwei herrlich locker gespielten und farbenreich gestalteten Rachmaninow-Piècen.

Nachbemerkung: es geht nichts über das Live-Erlebnis. Wenn ich heute meine CD-Rezension desselben Programms wieder lese, scheinen Welten dazwischen zu liegen. Und gleichzeitig führt Grimaud den Beweis, dass keine Interpretation Endgültigkeit hat - es wäre ja auch arg langweilig, würde sie die CD-Lesart in allen Konzerten wiederholen. Die CD ist EIN Augenblick großer Musik, das Konzert am Montag war ein anderer. Bei allem Respekt vor grandiosen Studioaufnahmen vieler Künstler - das Live-Erlebnis ziehe ich dennoch vor.

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