Montag, 15. April 2013

Zur Erinnerung an Sir Colin Davis

Sir Colin Davis ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Eng verbunden war er mit der Sächsischen Staatskapelle, deren Ehrendirigent er seit den 90er Jahren war. Zur Erinnerung an einige große Konzerterlebnisse, die ich in Dresden mit ihm erleben durfte, seien hier noch einmal einige Rezensionen verlinkt, darunter auch die seines letzten Sinfoniekonzert, das er im Mai 2012 mit der Kapelle musizierte - zum Dirigat der laufenden Saison im März dieses Jahres kam es leider nicht mehr.

* 10. Sinfoniekonzert, Mai 2012 - "Mozart zum 85. Geburtstag"
* Konzert mit dem Gustav-Mahler-Jugendorchester, August 2011, Ravel, Strawinsky, Tschaikowsky
* 2. Sinfoniekonzert, September 2010 - ein immer noch sehr stark in der Erinnerung lebendiges Konzert mit Leos Janaceks "Taras Bulba" und "Tapiola" von Jean Sibelius
* Edward Elgars großes Oratorium "The Dream of Gerontius" dirigierte Davis zum Palmsonntagskonzert 2010
* 2008 gab es ebenfals ein Gastspiel mit dem Gustav-Mahler-Jugendorchester, diesmal mit Mahlers 1. Sinfonie und dem Violinkonzert von Beethoven.

Seine unprätentiöse Art, die Musik zum Schwingen und Leuchten zu bringen, den spezifischen Klang etwa der Partituren von Sibelius und Berlioz zu modelieren, aber auch einen ganz lebendig-natürlichen Mozart-Klang zu erzeugen, bleibt mir stark im Gedächtnis. Passion war bei ihm keine Aufgabe, sie war selbstverständlich und entstand in den ersten Takten der Musik. Diese Bescheidenheit und Leidenschaft empfand ich als einzigartig und sie vermochte es, den Zuhörer direkt ganz nah an die Musik zu bringen. Danke dafür.

Frühlingswerkstatt auf der Lößnitzstraße 14

Heute einmal ein kurzer Bericht von einem Besuch bei "Nachbars". Leider fällt der nicht so rosig (und so bunt und fotografisch wie bei Kathrin) aus, aber ich hoffe, ich kann meine Eindrücke so formulieren, dass sie auch bei den Betroffenen richtig ankommen.

Beim Neustadt-Geflüster und über Twitter wurde ich aufmerksam auf die "Frühlingswerkstatt" in der Lößnitzstr. 14, dem großen Gewerbehof auf dem ehemaligen DREWAG-Gelände, wo sich viele kleine Firmen, Kreative und Künstler tummeln - laut eigener Facebookgruppe ein "kreativwirtschaftlicher Hotspot". Das Gelände ist derzeit in der Diskussion, es soll nach und nach umgestaltet werden. Parallel dazu nimmt man derzeit wahr, dass in Dresden der - nutzbare / mietbare/ zu vergebende - Raum für Künstler, Bands, Kreative immer mehr schrumpft.
Eine solches Fest erscheint also günstig, um die Wahrnehmung für das Gelände zu erhöhen und die Bewohner und ihre Aktivitäten zu präsentieren.

Vielleicht hatte ich mir etwas anderes vorgestellt, aber ich war ziemlich enttäuscht vom Gebotenen. Sicher spielte sich viel in den Häusern ab, aber schon der Eingang zum Hof wirkte unwirtlich: Lediglich das riesige Tranquillo-Plakat wies auf die Veranstaltung hin (aber der "Lagerverkauf" war ja auch nicht der einzige Event), beim Hereinkommen durch die Lücke neben der Schranke (warum denn nicht gleich OFFEN?) umkurvte man erstmal einige ratlos am fiependen Schrankendrücker stehende Besucher-Autos. Drinnen der Hof sah eigentlich aus wie immer - vollgestellt von Autos, ansonsten nichts Besonderes. Um herauszufinden, wo etwas passierte, musste man den "kundigen" Menschengrüppchen hinterherlaufen. Ich muss dazu bemerken, dass ich mich auf dem Hof nicht auskenne, niemanden der Hof-Aktiven kenne und mich auch nicht durch auf SocialMedia-Seiten veröffentlichte Pamphlete oder Veranstaltungspläne gewühlt habe. Ich war schlicht der interessierte Nachbar, der ja auch explizit eingeladen war.

Doch die Verlorenheit wollte nicht weichen. Ich stellte fest: vor jedem Gebäudeeingang hockte unter Vordächern ein Grüppchen Neustädter, palavernd mit einem Bier in der Hand. Ferner fand ich einen Kuchenstand vor, einen Waffelwagen, ein einsames Hau-den-Lukas-Gerät und weiter hinten eine Tonwerkstatt für Kids, die ich noch am spannendsten fand, zumal ein Regenguß mich kurz unter das entsprechende Dach zwang.

Leider wusste ich nicht, wohin ich gehen sollte, ich war alleine unterwegs. Allerdings hätte ich es selbstverständlich gefunden, dass man auf einem solchen Fest geleitet wird, dass einen die Attraktionen anspringen oder man sich zumindest DABEI fühlen kann, zumal auf dem Hof gerade Firmen ansässig sind, die mit "Präsentation" oder "Kommunikation" eigentlich höchst vertraut sind.

Wäre es denn zuviel verlangt gewesen, direkt am Eingang einen bunten Sonnenschirm oder ähnliches aufzustellen, eine Tafel mit den Vorführungszeiten und einem Wegweiser zu bemalen? Die Tristesse des grauen Hofes durch ein paar Aktionen oder Performances zu beleben - das ganze umgebende Bogenviertel ist doch voller spannender Menschen, die auch (da wird doch Nachbarschaft lebendig) das Gelände wiederum bereichern könnten mit ihren Ideen. Oder habe ich schlicht - um 16.30 - alles verpasst? Durfte draußen keine Musik sein? Wo war die fühlbare Kreativität, mit der sich der Hof doch selbst anpreist?

Oder fehlte es dafür schlicht an Geld und Leuten? Letztere, die sich alle offenbar alle kannten und "dazugehörten" waren jedenfalls genug anwesend. Ein wenig blieb der fade Geschmack, dass man hier gerne unter sich, unter Freunden und ohnehin Bekannten feiern und sich treffen wollte. Das allerdings wäre ein schlechtes Zeichen für eine Kreativwirtschaft, die sich zukünftig und offen gibt - wenn sie vergäße, dass es da draußen auch den netten Nachbarn gibt, der einfach nur Interesse zeigt und dem sie (da bin ich mir sicher) durchaus etwas Spannendes zeigen könnte.

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